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Schmierölfertigung am Jakobsberg – Welche Industrieunternehmen standen hinter dem Projekt Dachs 1 an der Porta

März 18 @ 19:00 - 21:00

Am 18. März 2020 begrüßen wir Frau Dr. Eva Pietsch zu einem Vortrag mit dem Thema „Schmierölproduktion am Jakobsberg – Welche Industrieunternehmen standen hinter dem Projekt Dachs 1 an der Porta“ im Bürgerhaus Porta Westfalica. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Den Ausgangspunkt des Vortrags bildet das Geheimprojekt Dachs I, das im Jakobsberg den Betrieb einer unterirdischen Raffinerie für Schmierstoffe vorsah. Diese industrielle Fertigung sollte im Rahmen des Geilenberg-Programms von 1944 sicherstellen, die deutsche Wehrmacht, speziell die Luftstreitkräfte, ausreichend mit Mineralölerzeugnissen zu versorgen. Die Deutsche Erdöl Raffinerie AG (Deurag), welche die „Unter-tage“-Fabrik im Jakobsberg unternehmerisch leiten sollte, steht dabei  im Zentrum der Aufmerksamkeit – sowie deren Gründer- und Beteiligungsgesellschaften.

Der Vortrag möchte sowohl darlegen, in welche Abnehmer- und Produktionsstrukturen diese Schmierstoffhersteller seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und während des Zweiten Krieges eingebunden waren – Wer wurde konkret mit derartigen Industriefetten und –ölen beliefert? Wer war dort beschäftigt, unter welchen Arbeitsbedingungen?-  als auch aufzeigen, welche stürmische Entwicklung dieser wenig beachtete Industriesektor seit den 1880er Jahren durchlaufen hatte, so dass er für das NS-Regime eine kriegswichtige Bedeutung erlangen konnte. Die regelrechte „Neuerfindung“ dieser Branche durch deutsche Kaufmannunternehmer im Kaiserreich, die mit der weltweit forcierten Rohölförderung schon vor dem Ersten Weltkrieg einsetzte, wird anhand eines damaligen Branchenführers, der Köln-Hamburger Firma „Gebrüder Stern“ aus unternehmensinternen Quellen rekonstruiert und beispielhaft dargestellt.

Die „zweite industrielle Revolution“ in Deutschland, der Aufstieg des automobilen und des Flugzeug-Zeitalters wären ohne die stofftechnischen Neuerungen, welche die Unternehmer auf der Basis dieses fossilen Rohstoffs „Erdöl“ vorantrieben, kaum denkbar gewesen.

Die Geschichte des 1880 in Köln gegründeten Schmierstoffunternehmens, das sich – seit Mitte der 1920er Jahre als Mitglied des Shell-Konzerns – ab 1933 für die Rüstungs- und Autarkiebestrebungen des Dritten Reiches vereinnahmen liess, lässt sich somit über den mehrfachen Wechsel politischer Systeme hinweg bis in die Gegenwart zu einem der weltweit größten Mineralölkonzerne verfolgen. Sie führt auch zu genau jenen unternehmerischen Interessen und Führungspersonen, welche hinter der Raffinierung von Schmierstoffen im Geheimprojekt Dachs I standen.

Abschließend soll gefragt werden, was die in der Deurag-Nerag engagierten Unternehmen noch zu dem späten Zeitpunkt 1944 dazu bewog, die Untertageverlagerung in Projekten wie Dachs I voranzutreiben, obwohl die Aussichten auf einen militärischen deutschen Erfolg bereits schwanden und die Errichtung der Fertigungsanlagen bis zum April 1945 unter unmenschlichen Bedingungen für die Zwangs- und Häftlingsarbeiter vonstattenging.

Dr. Eva Pietsch ist Historikerin und unterrichtet Deutsch und Geschichte an einer höheren Schule der Stadt Minden.

 

Das obige Foto zeigt die Ruine der Hydrierwerke Pölitz AG in Pölitz, ehemals Hinterpommern, heute Polen (Foto: Remigiusz Józefowicz)

Veranstalter

KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica
E-Mail:
info@gedenkstaette-porta,de
Website:
www.gedenkstaette-porta,de

Veranstaltungsort

Bürgerhaus Porta Westfalica
Am Park 1
Porta Westfalica, 32457 Deutschland
+ Google Karte
Website:
www.buergerhaus-porta.de